Ich würde von mir jetzt nicht direkt behaupten, ich werde von Verlustängsten verfolgt. Eine Ausnahme bildet hier aber ganz klar mein iPhone. Und zwar nicht das Gerät an und für sich, sondern dessen Energieverlust. Obwohl ich mir durchaus bewusst bin, dass mein Verhalten von einem Anflug leichter Irrationalität geprägt ist, kann ich mich nicht dagegen wehren, ständig zu glauben, dass mein iPhone den Tag nicht überstehen wird – und ich gemeinsam mit ihm. Wenn ich das Haus verlasse und der Batterieladestatus bereits von 100% auf 99% gefallen ist, ohne dass ich ein stündiges Gespräch geführt, meinen Facebook Status aktualisiert oder die Apple Feinelektronik in sonst einer Weise beansprucht hätte, beschleicht mich ein ungutes Gefühl. “Soll ich nochmals umkehren und das Gerät an eines der Ladekabel hängen, von welchen bei mir in jedem Zimmer eines vorhanden ist?” Selbstverständlich wäre das ein Unsinn. Schliesslich habe ich ja auch im Auto einen iPhone Charger, und das befindet sich ja bloss drei Stockwerke unter mir.
So richtig brenzlig wirds allerdings auch erst, wenn ich draussen bin, auf freiem Feld gewissermassen, also mitten in der Stadt, umgeben von Starkstromleitungen aber fernab von einer öffentlichen Steckdose (jeder fordert globusumspannendes 24/7 W-Lan, aber was ist mit uneingeschränktem Zugang zu Energiequellen??) und der Batterieladestatus auf – nennen wir jetzt mal eine extrem krasse Zahl – 50% gesunken ist! Ich mache mir, wenn ich einmal 50 Jahre alt bin, bestimmt nicht halb so viele Sorgen, weil ich dannzumal die Halbzeit meines Lebens erreicht haben werde, wie meine Nerven in diesem Moment wegen meines Telefons blank liegen. Nur noch die Hälfte der Batterieleistung verfügbar! Unvorstellbar! Wenige Stunden bis zum Exit!
Weshalb eigentlich, frage ich mich. Was wäre, wenn mich mein iPhone tatsächlich im Stich lassen würde (ARRGH!)? Würde ich etwas Lebenswichtiges verpassen? Wahrscheinlich nicht. Ich würde mich einfach nackt fühlen, alleine gelassen, abgenabelt vom Rest der Welt. Mein iPhone ist halt weniger ein Telefon, als ein multifunktionales Tamagotchi. “Brauchst du Liebe? Brauchst du Zuwendung? Brauchst du Futter? Brauchst du sonst irgendetwas?” Ich würde ganz bestimmt einen tollen Vater abgeben, der sich liebevoll um seinen Nachwuchs kümmert, ihn umsorgt und es ihm an nichts fehlen lassen würde. Allerdings müsste ich mich dann von meinem iPhone trennen.